Freundeskreis    ALT- MASSENHEIM

Nicht jeder Hochheimer ist ein Massemer - aber jeder Massemer ein Hochheimer - ! gibt`s  nicht´s - leider dran zu rütteln.

mal

 

Ich darf mich vorstellen:

Mein Name  ist "Diedenberger Weg".


Ich heiße heute Diedenberger Weg. Das war nicht immer so. So nannte man mich viele hundert Jahre Dirrebaeer Poad.

Poad aus Pfad, der ich lange war, als man mich zu Fuß und Pferd benutzte. Aber schon früh fuhren auch Wagen über mich, welche die nördlichen und östlichen Orte besuchten. Dabei halfen mir zwei Brüder, der Langenhainer Weg und der Weilbacher Weg.

Bei der Flurbereinigung Ende der 30er Jahre wurden diese entfernt und durch winklig, angeordnete Wege ersetzt und ich, da ich in den Plan passte, war nun ein Hauptweg, was mir noch bitter aufstoßen sollte.

In Hessen waren ja durch die „Erbteilung" die Grundstücke so klein und zerschnitten, dass der damalige Führer, um seine strategischen Ziele zu erreichen, sehr früh schon seine Autobahnstrecken freilegen musste. Deshalb waren Massenheim und andere Orte, welche zur Autobahn gebraucht waren, auch schnell dabei umgelegt zu werden.

Auch habe ich mich damals ein wenig verschoben, weil ein Ort Oberweilbach nicht mehr an meiner Strecke lag und sich die „Stoanern Stroos" anbot, besser vorwärts zu kommen. Zumal es so allerlei Gesindel, was mich benutzte um von den Hauptwegen abwärts zu den Orten zu kommen, nicht mehr gab.

Es war „Recht und Ordnung" überall.

Als Hauptweg nun war ich sehr in die Breite gegangen. Man konnte zweigleisig auf mir fahren, denn es gab ja zumindest im Herbst regen landwirtschaftlichen Verkehr und aus eingefahren Gleisen herauszukommen, um auszuweichen, erforderte viel Kraft. Deshalb galt allgemein die Abmachung, dass Doppelspänner - Einspännern und Kuhfahrzeugen den Vorrang lassen mussten. Wie gesagt, bei mir ging es dann etwas besser weil ich breiter war.

Wo wir bei Gleisen waren. Bahngleise - wurden auch auf mir verlegt, um beim Bau der heutigen A3 das Material zu dessen Bauwerken, den beiden Autobahnbrücken, zu bringen, welche sich in unserer Gemarkung befanden. Lagerplatz für die Baumaterialien war an meinem Fuß, Ecke Wallauer Straße (Waller Wäg).

Zu Truppenbewegungen im 19.Jahrhundert musste ich einige Male herhalten, aber das war zu verkraften. An meinem Rand haben manche gelagert und ihre Spielchen getrieben.

Die Wagenspuren (Wagengleise) in mir waren tief und konnten nur schwer instand gehalten werden. Schottersteine und Bauschutt waren alles, was dazu diente, das schlimmste auszugleichen. Man findet dies noch heute als Steinspur. Dort wo meine Brüder zu Äckern wurden.

Zur Zeit der Flurbereinigung nun war vorgesehen, die Hälfte meiner Breite zu stücken (Eine Befestigungsart zu dieser Zeit, bei welcher wie in der Römerzeit bei meinem Nachbarn, der Steinern Stroos, meist „flache" Steine aufrecht angestellt und mit feinerem Material abgedeckt und leicht verdichtet wurden). Aber da kam dann 1939 ein Problem, irgendwo im Osten beginnend, dass wohl bis 1945 dauerte und verhinderte, dass das verwirklicht wurde.

Dies wurde dann in den 50er Jahren nachgeholt. Auch die Entwässerungsgräben wurden von gleicher Fa. ausgeschoben (Vorfluter) um mich vor Wasser bei Regenfällen oder Schneeschmelzüberschwemmung zu schützen.

Anfang der 60er dann wurde im Rahmen des „Grünen Plans" meine andere Seite, nun die nördliche, mit einer Betondecke überzogen. Nicht sehr stabil, wie man heute sehen kann. Die holprige Stückung ist heute noch besser intakt, aber halt holprig.

Kosten, welche über dem Zuschuss lagen, wurden sehr demokratisch auf alle Grundstückeigentümer umgelegt, nicht nur auf die Anlieger.

Erhoben wurden je Hektar rd. 50 DM im Jahr 65 im zweiten Durchgang 61,00 DM

Anektode: Eine Eigentümerin beschwerte sich immer über ihre Zahlungen und dies dreimal, denn immer war sie da nie Anlieger. Hatte also keinen Vorteil. Bei der letzten Aktion nun war sie mit allen ihren drei Grundstücken Anlieger und alle anderen im Ort zahlten so für sie. (Späte Gerechtigkeit). Geäußert hat sie sich dazu nicht.

Das war dann auch meine beste Zeit. Ich war gesund, breit und gut befahrbar. Von nun an ging's aber abwärts.

Beim Erstellen des Betonteils wurde aus Unachtsamkeit ein Teil des Vorfluters zugeschüttet. Von nun an bekam ich ab und zu nasse Füße.

Auch in den 60er Jahren wurde beim Bau eines Aussiedlerhofs eine Wasserleitung an meiner Seite entlang verlegt und nicht sehr fachmännisch. Somit war der Abbruch eines Teils meiner Decke vorprogrammiert.

Verstärkt wurden alle diese Schäden dann noch, als die Ölleitung Rotterdam-Kelsterbach verlegt wurde. Alle erforderlichen, schwerste amerikanische Geräte, - für deutsche Verhältnisse zumindest -, wurden in doppelter Anzahl, da genau in unserer Gemarkung der Anfang für den Vortrieb nach beiden Seiten aus anfing, über mich transportiert.

Versprochene und gezahlte Reparaturkosten für mich wurden aber leider nicht zu meiner Wiederherstellung, sondern zur Straßenreparatur im Ort verwendet.

Das machte mich nicht glücklicher.

Vom Ort her wurde Ende der 70er eine Bitumendecke, zum Teil von Jagdgenossen finanziert, über meine Stückseite gezogen. So waren die ersten ca. 300 Meter wieder gut befahrbar und sind es bis heute.

Auch in den 80ern wurde eine meiner Belastungen, die übermäßige durch den Rübenabtransport mit den Schleppern erzeugte Verschmutzung, auch noch auf schwere 40-Tonnen-Lkw umgestellt und zusammen mit Klärschlammfahrzeuge war meine Belastbarkeit überschritten. Meine Spannkraft war gebrochen und ich sehe seit dieser Zeit aus wie eine Patchwork Arbeit.

Wenigstens dreizig Jahre bin ich nun schon im Gespräch, wie man mich wieder herrichten kann. Da ich sehr alt bin, nehme ich das gelassen.

Habe Geduld gelernt und werde mich weiter darin üben.


Zwei Bilder von Massenheimer Eingänge(Zugänge).
beide mal von unten - mal vn oben (bald).