Freundeskreis    ALT- MASSENHEIM

Nicht jeder Hochheimer ist ein Massemer - aber jeder Massemer ein Hochheimer - ! gibt`s  nicht´s - leider dran zu rütteln.

Zehntenscheuer, - Herrenscheune - das stellt einige Fragen!

Für wen war der Zehnte und wer waren die Herren.

Es gab im Lauf der Geschichte viele Herren, welche ihren Zehnten von den Bauern und Handwerker forderten.

Wir hier in Massenheim denken sicher zuerst an die Herren von Eppstein, die als Weltliche ihren Tribut forderten. (Eppstein war aber zur Zeit der Erbauung der Scheune nicht mehr Herr).
Sicherlich werden auch die kirchlichen Herren ihr Scherflein gesammelt und gela­gert haben, wo? - dann vielleicht in unserer Herrenscheune. Dazu werden wir Pfarrer Mül­ler beauftragen ein paar Nachforschungen diesbezüglich anzustellen.

Also in dieser Herrenscheune werden, so vermuten wir, wohl hauptsächlich landwirtschaft­liche Produkte zwischengelagert worden sein. Dass die Eppsteiner von uns ihren Wein oder wenigstens einen großen Teil ihres Weines von uns bezogen haben ist bekannt. Auch hier werden wir in irgendeiner Schrift genaueres dazu sagen.

Wo waren also die Ursprünge dieser Abgaben, wo hat es angefangen?

Vor den Germanen (Alemannen),  welche hier in unserem Gebiet wohnten, die auch gern die „Alten Deutschen" genannt werden, lebten hier die Kelten. Diese hatten eine hohe Kultur, aber die Zeit hat sie nur auf der Insel überleben lassen. Da gab's aber noch dieses gallische Dorf, hätte ich bald vergessen, denn dies waren ja auch Kelten. La-Tenekultur, Sonnenscheibe, hier in Hessen gefunden, Glauberg und viele andere Belege beweisen den geistigen hohen Stand der Kelten. Sie hatten sich nachweislich schon mit den Vorfahren der Römer oder Zeitgenossen derselben, den Etruskern in Norditalien angelegt.

Aber zurück zu unseren anerkannten Vorfahren, den Franken und Germanen.

Es waren eigentlich viele Stämme, welche auch nicht alle miteinander konnten. Die Römer hier wussten das, aber um genug Truppen hier zur Niederwerfung der Gegner zu bekom­men, sprachen die hier , - zu denen dort in Rom von einem großen Reich mit einheitlichen Gegnern, von „GERMANIEN". Übereinstimmend sagen alle Experten, dass sie ca. 100 Jahre vor unserer Zeitrechnung aus Nordosten in unser Gebiet vorgedrungen sind. Man nimmt an, dass sie aus Brandenburg/ Mecklenburg aus starteten und dass sie womöglich sogar ein keltischer Stamm gewesen sind.

Blond waren sie ja beide - angeblich -, die Germanen so auch die Kelten, könnte also sein. Die Germanen betrieben zu dieser Stunde keinen Ackerbau, sie lebten aus der Natur was die ihnen gab vom erbeuteten Wild, von ihrer Haustierhaltung, welche aus Pferden, Rindern, Ziegen, Schafen und Geflügel bestand.

Unsere   „Scheuer war hier also noch nicht nötig, aber irgendwann wird sie schon ge­braucht   worden sein, wahrscheinlich etwas später.

 

 Von Beruf aus waren die German's Krieger. Die eine Hälfte zog in den Krieg, die andere Hälfte blieb zu Haus und das im Wechsel. Die einen machten also Beute und die anderen versorgten und beschützten die daheim gebliebenen Familien. So lebten sie eigentlich in ausgeglichenem Rithmus nicht schlecht, aber sicher bekam der eine oder andere auch mal eins dabei auf die Rübe, was damals auch mit Helm sicher weh tat.

Die Beute. Das waren auch Besiegte, also dann Knechte (Leibeigene) welche halfen, das Leben auch dann mit den erworbenen Kopfschmerzen angenehmer zu machen.

Eigentlich waren sie ja wohl Kommunisten, denn Eigentum an Land gab es für den Einzel­nen nach altem germanischem Gesetz so nicht. Vielmehr musste aus Angst, die Stam-mesgenossen könnten sesshaft werden und die Kriegslust verlieren, die benutzten Flächen für die Weiden usw., samt den Gebäuden jährlich gewechselt werden. Auch wollte man damit vermeiden, dass sich Einzelne, größere Reichtümer anhäufeln würden und es so Unterschiede im materiellen Besitz geben würde. Dies wollte man vermeiden, um die Ein­heit nicht zu gefährden. Lediglich die fahrende Habe bewegliches und Gut wechselte von Hof zu Hof mit dem Besitzer. Gebäude blieben wo sie gebaut waren.

Unsere „Scheuer .... s.o.

Als Chlodwig seine Franken hauptsächlich im heutigen Frankreich und weiter Umgebung, also auch bei uns, ansiedelte, kam Bewegung in die Struktur. Sie -die Germanen- wurden sesshafter, hatten von den Römern andere Anbaumethoden und Gerätschaften für den Ackerbau übernommen und „Karl der Große" als markanter Reformer, gerade in Bezug Landwirtschaft, war nicht mehr weit.

Erbeutetes Eigentum, auch das erbeutete Land aus den Kriegzügen, war Eigentum des Heerkönigs und seiner Heergesellen, an die es anteilmäßig als Familienerbe (Allod) über­geben wurde. Der größte Teil des Kriegsgutes war dem König vorbehalten, der dieses dann an besondere Freunde als Besoldung, -Lehen- lebenslänglicher Nutzung verteilte. Damit verpflichtete er ihn, in allgemeinen Kriegszügen und auch persönlichen zur Seite zu stehen.

Wie der König also die „Großen" an sich band, so taten es die „Großen" mit der nächst un­teren Stufe, den z.B. „Freien", die sie dann ebenso zu Diensten verpflichteten.

Die früheren, jetzt besiegten Eigentümer, blieben als „Unfreie" mit Ihren Bediensten (Leib­eigene) auf den Höfen, waren jetzt aber Hörige der Sieger, waren an den Hof gebunden und konnten mit dem Hof verkauft werden.

Leibeigene waren eigentlich Knechte, konnten aber gegen Dienstpflicht und Zinspflicht nach einer bestimmten Zeit frei werden. Sie waren dann auch Hörige (Liten, später Leute). Sie lebten auf dem Grund und Boden der Freien. Der Hörige bebaute sein Land selbst­ständig. Er war kein Knecht. Diese Hörigen und die Leibeigenen bildeten ab hier den Bauernstand. Freie mit all seinen Verpflichtungen gaben oft ihr Allod mächtigeren Herren, um es als Lehnsgut zurück zu pachten, so vom Heerbann freizukommen. Manchmal auch aus Armut, wenn sie ihren Besitz so schützen konnten.

Sie hatten dann einen Lehnherrn also Verpächter, dem sie aber dann auch wieder zu Diensten sein mussten, aber sie standen auch unter seinem Schutz. Dies war natürlich ein großer Wirrwarr von Besitz und Eigentum, wie man sich vorstellen kann. Es stand fast je­der irgendwie im Dienstverhältnis zum anderen. Die Hörigen hatten an ihren Grundherrn/ Grundbesitzer viele Abgaben zu entrichten. Vom Huhn bis Gänsefedern, Getreide bis Eier, - Heiratsgeld (wenn man die Erlaubnis zum Heiraten bekam) bis zur besten Kuh beim Tod des Hörigen. Außerdem hatten sie Hand- und Spanndienste, Wache halten bis hin zum Heu mähen und und und zu leisten.

Erspart geblieben ist ihnen die heutige Hektik, so dass das Leben wohl erträglich war, wenn Krankheiten ausblieben. Die Freien fühlten sich als -und waren- die Bewahrer der Sitten: Schritten mit dem Schwert zu ihren Versammlungen, Gericht und Gerede unter der Dorflinde.

„Karl der Große" erkannte die Wichtigkeit des Bauernstandes und widmete sich ihm inten­siv, indem er aus seinen Bauerhöfen (Meierhöfen) z.B. Musterwirtschaften machte. Er erließ an seine Verwalter Verordnungen, die eigentlich als erste Lehrbücher der Landwirt­schaft betrachtet werden können.

Er erließ acht Jahre vor der Erstnennung Massenheims eine Verordnung, dass jeder Amt­mann bis Weihnachten ein Verzeichnis (hier dann eigentlich eine lange, lange Liste von allem was zu dieser Zeit angebaut und gehandelt wurde) von allem Gut erstellen muss. Das man immer im Stande ist, zu sehen, was und wie viel wir von allem haben.

Die Abgaben waren z.B. Eier und Verderbliches. Diese wurden vermutlich das ganze Jahr nach Ingelheim gebracht. Oder nach Lorsch ??

Eine Scheuer als Zwischenlager?

Unsere Scheuer, das wohl noch nicht, aber vielleicht ein Vorläufer? Möglich wär's.

Nach dem der Große Karl soviel verbessert hatte, war erst einmal Ruhe mit großen Um‑

wälzungen im Agrarbereich.

Es waren zum kassieren, wenn wir von Weltlichen ausgehen, die Eppsteiner an der Reihe. Wallau war für Sie wohl hier vor Massenheim ihr Hauptstützpunkt und sie vergaben auch, wie schon früher, Privilegien an andere Familien - Adlige wie Nichtadlige- ab, um sich nicht mit Kleingram beschäftigen zu müssen.

Es ist anzunehmen, dass hier in Massenheim, womöglich auch in Wallau, schon eine Scheuer zur Sammlung oder Zwischenlagerung unterhalten wurde. Es ist auch denkbar, dass ein Bauer, egal welchen Standes, ein Teil seiner Scheune hierzu verpachtete.

Denn unsere Scheune wurde zu der Zeit bebaut, 1706, als wir zu Hessen-Darmstadt ge­hörten, mit Amtsitz Wallau und im Flurbuch der Gemeinde ist als Eigentümer eingetragen ein Christoph Krantz. Diese Familie war bis Mitte des letzen Jahrhunderts noch am Ei­gentum und Besitz anteilig.

Denn um große Mengen ging es nicht, die hier umgeschlagen wurden und der Wein für die Herren wurde eh von Keller zu Keller transportiert. Siehe Folgeseite -  Weinbau in Massenheim.
Die Erträge wurden wesentlich besser, so auch Zinsertrag, als der „Große Fritz" auf der Bildfläche erschien.

Zu dieser Zeit hatte Massenheim mehrmals die Zugehörigkeit geändert.

„Friederich der Große" hat die Landwirtschaft auf Befehl seines Vaters von der Picke auf gelernt und das zahlte sich für die ganze Bauerei aus. Als er dann an der Befehlstelle war, gab er Anweisungen heraus, welche wohl mit der bekannten preußischen Sorgfalt und Dis­ziplin zu besseren Erträgen und somit zu volleren Scheunen führte. Vor allem die Düngung half er zu verbessern. Er verbot im Prinzip den Verkauf von Stroh, da es sonst als Dünger fehlt, holte Fachleute aus dem Ausland, lies Obstbäume pflanzen bzw. stellte sie den Bau­ern zur Verfügung. Eine seiner größten Leistung war es wohl, das Volk zum Kartoffelanbau zu überzeugen. Aber diese Story ist wohl bekannt.

Bis zu diesem Zeitpunkt herrschte noch die schon zur Römerzeit eingeführte Dreifelder­wirtschaft als Anbauordnung vor, welche sich dann gerade in dieser Zeit durch das wirken eines Hr. Schubart änderte, in die so genannte „verbesserte Dreifelderwirtschaft".

Denn Ihm gelang es durch Versuche mit tollen Ergebnissen, als Bracheersatz Klee und andere Futterpflanzen einzuführen, was gegen den bisherigen Glauben, dass die Felder Ruhe brauchen um sich zu generieren, stand.

Das dies wesentlich die Ertragslage verbesserte, ist einleuchtend und bekam dafür den Titel „Edler vom Kleefeld".

Nach einigen Anläufen und Rückschlägen gelang es den Preußen die Struktur - Leibeigene — Unfrei— Frei — abzuschaffen. Viele Stände hatten dies Jahrzehnte verhindern können, bis im Jahr 1807 unter Friedrich Wilhelm III das letzte Hindernis, die „Gutsuntertänigkeit", zum Martinstag 1810, dann umgesetzt war.

Da war Scheune schon 100 Jahre alt. Was damals in ihr war, wissen wir noch nicht genau.

Vermutlich im Privatbesitz immer mit dem Namen Kranz verbunden — Mitte des letzten Jahrhunderts an Raiffeisengenossen verkauft und nach zwei Wechseln an Gewerbliche, vom letzten Eigentümer so ausgebaut, wie man Sie heute sieht.



Sie hat sich gewandelt.