Freundeskreis    ALT- MASSENHEIM

Nicht jeder Hochheimer ist ein Massemer - aber jeder Massemer ein Hochheimer - ! gibt`s  nicht´s - leider dran zu rütteln.

Kriegerverein zu Massenheim..
gegr. am 18 Febr. 1873.


Somit der erste Verein in Massenheim.
Nach der nun neu gegebenen Möglich überhaupt Vereine gründen zu dürfen

Erhalten sind uns die Kassenbücher (Rechnungsbücher genannt) die Fahnenstange und die fast völlig aufgelöste Fahne.
s. Ablg.1 = 1tes Rechnungsbuch, hier Seite des Gründungsvorstandes.

Sehr wahrscheinlich liegt das Protokollbuch, welches es auch gab, noch irgendwo in einer Schublade, womöglich auf einem Speicher und wartet auf seine Entdeckung.

Aber in dem –Rechenbuch- steht so viel vermerkt, dass man sich ein gutes Bild des Vereins, der sich im Wandel der Zeit auch mal Kriegerverein Germania – Kriegerkameradschaft nannte, machen kann.

Es gibt einiges, was sich wie Fäden durch die Vereinsgeschichte zieht, immer angepasst an die Zeitumstände. Patrioten waren sie, mit leicht wechselnder Intensität immer. Manchmal eben betonter, manchmal auch etwas zurückhaltender, wenn’s nötig war.
Bekannte Massenheimer Namen wie Köhler, Kranz, Jung, Becker, Kern und die Kahl's gab es immer in der Überzahl, sie wurden mit römischen Zahlen nummeriert, aber auch Namen, die es heute in Massenheim nicht mehr gibt.

Auch mussten sie oder haben sie sich zeitweise einer Überordnung eingefügt bzw. einfügen müssen. Aber erst im späteren Verlauf ihrer Geschichte.

Anfang also 1873 mit 30 Mitgliedern, die man als Mannschaft bezeichnete, ohne Unterschied in der Glaubensrichtung, wobei ich davon ausgehe, dass es katholische Bürger gar nicht gab, das heißt also evangelisch und jüdisch.

Bei der Gründung, ich denke das sollte man im Geist der heutigen Zeit herausstellen, gleich ein Jude im Vorstand - Moses Scharzschild und als Mitglied Bruder Samuel.

Monatlicher Beitrag 12 Pfg. + Eintrittsgeld einmalig von 1,10 MR (später mehr). Von Zahlungen befreit waren die Ehrenmitglieder (Ehrenmitglieder waren die heimgekehrten Kriegskämpfer – Veteranen genannt).

Einnahmen hatte der Verein beständig bis 1944 über die Mitgliedsbeiträge seid den Anfangsjahren. Bis zum zweiten Weltkrieg war die Kameradschaft auch aktiv mit Theaterspiel und Tanzveranstaltungen, meist an Ostern und spielte hierbei so gleich im Anfangsjahr 92,12 M ein. Ferner halfen anfänglich Strafgelder in geringem Umfang, ebenfalls die Kasse zu füllen. Man darf vermuten, dass Nichterscheinen oder Nichtbeteiligung an Vereinsveranstaltung diese Strafen auslösten.

Der Rechnungsabschluss 1894 belegt, dass die Kasse mit einem Minus von 54 Pfg. abschloss.
Der Kassierer notiert:
Ausgaben übersteigen die Einnahmen um 54 Pfg“.

Wenn man sich die Gesamtzahlen betrachtet 594,70 M ein - und 551,16 + 43,45 an Rentamt aus.
Die 0,54 waren zu verschmerzen, zumal man großes geleistet hatte. Der Gedenkstein, welcher heute auf dem Friedhof steht, war bezahlt und errichtet. Vieles in Eigenhilfe durch Handwerker aus dem Ort und einiger Fachkräfte aus dem Umfeld mit Zukauf von Baumaterial wie z. B. Bretter u sonst. Schalmaterial.
Den Stein für 269,30 M lieferte die Fa. Jagob Greim aus Okriftel. Gesamtkosten an Material und Arbeitslohn ca. 360 Mark. Es muss im Sommer gewesen sein, als man dies verrichtet, denn Massenheimer Wirte, wie mein Urgroßvater Wilhelm Köhler und der Attlerwirt H. Kahl lieferten zusammen für 60 M Getränke, im Verhältnis zum Stein eine eher klägliche Summe (ein Apfelwein 10 Pfg, Bier ebenso).


 






Für das Essen sorgten natürlich ebenfalls Massenheimer. Maßgebliche Einnahmen um diese große Leistung zu vollbringen waren dann die Einnahmen. „Beim Spielen bei Ostern ist eingegangen“ 48 M, „An freiwillige Gaben ist eing. 271,33 M. Bretter wurden nach Gebrauch wieder verkauft 58,00 M aus der Reserve 132,00 M.

Somit waren nach Hofheim - Massenheim, zusammen mit Wallau mit Abstand die ersten Gemeinden, denen die Aufstellung eines Gedenksteines so kurz nach dem Krieg gelang.

Man kannte auch schon Feuerwerk. Jedenfalls eine Berechnung von 10 M anlässlich einer musikalischen Veranstaltung im Jahr 1875, womöglich beim Sedansfest, was wohl alle Jahre gefeiert wurde.
Woher allerdings Einnahmen aus „Köngsgeburtstag“ in Höhe von 8.35 M kamen, ist mir ein Rätsel. - Feuerwerk könnte auch Fackeln (Lichtfackeln) oder ähnliches für die Abendstunden gewesen sein, denn elektr. Licht gab es ja noch nicht.

Überschüsse zu dieser Zeit verwahrte man auf der Sparkasse, auch Rentamt genannt. Geld deponieren wurde auch mit ausgeliehen bezeichnet. Auch Vergabe an Privat mit entsprechenden Zinseinnahmen sind vermerkt (5%).
Rechnungsabschluss in 1883 bei stark geschrumpfter Mitgliederzahl – jetzt noch 16 Männer = Einahmen 18 M Ausgaben und das lässt staunen – 5,40 M für 22,5 Liter Bier vom neuen Vereinslokalwirt. August Traisbach (Gasthaus Krone), da mein Urgroßvater sein Lokal (Kehlerwerrt) aus familiären Gründen geschlossen hatte. Nachtrag für 1883 ist verbucht, - eine Fahrt- „Auf den Niederwald“ mit 16 M.

Diese Fahrten zum Niederwald (Niederwalddenkmal) wiederholen sich, sowie auch das Sedansfest und der Kaisergeburtstag (Kosten für Depesche) regelmäßig in der Kasse.
Soziale Leistungen wurden vor allem für die Veteranen in Form von „Sterberente“ gezahlt. Der Betrag änderte sich nicht bis zum Ende des Vereins. Wiederkehrend bis Ende des Vereins auch immer geringe Kosten für Vereinsdiener und Unterhaltung – Pflege des Gedenksteins.

Mitglieder so ist zu erkennen, waren anfangs alle die entweder am Krieg teilgenommen hatten, Veteranen und/ oder beim Militärdienst ausgebildete. Später war wohl fast jeder „Mann“ im Ort Mitglied.
Pfarrer findet man nicht, aber alle Lehrer ab 1889. Hier machte dann Jakob Frankenbach (Sept. 1889) den Anfang mit 5 M Eintrittsgeld und 3 x 20 Pfg. Monatsbeitrag.
Vermutlich führten Lehrer das noch nicht aufgetauchte Protokollbuch, denn es gibt öfter Rechnungsbelege für kleine Ausgaben, welche - für Schreibmaterial bezeichnet sind, und meist an Lehrer ausgezahlt wurden. J. Frankenbach hat auch mehrmals für Jubiläen Bilder gemalt und mit 6 M später 10 M berechnet.
Weitere regelmäßige Ausgaben waren dann ab hier Ausgaben für Zeitschriften – Parole- 4,60 M und Verband 4,60 M jährlich, später ansteigend. Es folgten dann vor allem nach dem 1. Weltkrieg noch andere Überorganisationen welche bedient wurden und auf welche ich noch eingehen werde.

Da man feststellen kann, dass immer im Verhältnis zu den Einnahmen ein beträchtlicher hoher Betrag für – meist Bier (als Folge der Reblaus) - ausgegeben wird, hier einmal eine Abrechnung von 1894 in Bild Einnahmen und Ausgaben. Es sieht aus, als wenn der Kriegerverein die Hoheit über Bier gehabt hätte. Denn einerseits nehmen sie von dem Gesangverein Geld für Bier ein 29,50 M, müssen aber eine Bierrechnung von 68,00 M ausgleichen. Gesangverein damals Männergesangverein Arion. Aber wie bei den Wirten, außer bei Namen die in Massenheim verwechselt werden konnten, wie Kahl, wurde der Namen Arion nie erwähnt.

So war die Kneipe in der heutigen
Hauptstraße 30 beim oder de Kehlerwillhelm
„Die Krone“ - beim August = 2 Generationen –
„Zum Adler“ ! Kahl beim Attler-
„Z
ur Rose“ bei de Kattrin später beim Lindner.
„Weißes Ross“ beim Beitel oder beim Ferdnand.

Vereine untereinander beehrten sich mit gegenseitigem Ergänzen und Hilfe bei Veranstaltungen, so ist es zu sehen und einem meist kleinen Andenken wie Fahnenschleife (16 M) - schon beträchtlich oder oft auch einem Fahnennagel für die Fahnenstange, etwas preiswerter.

Mitgliederstand 1895 wieder 45 Kameraden. J. Frankenbach muss einen Anlass zu einem Geschenk gegeben haben, es sind 17,00 M vermerkt, auch hat er wieder mal ein Bild für diesmal 10,00 M gemalt.

Das Sedansfest ist immer wieder erwähnt, welches bis zum 1. Weltkrieg einen Stammtermin hatte und immer einen Grund zum ausgiebigen Feiern. So wurden in 1898 von den Einnahmen ca. 74 M – wohl 22,50 M für Vereinsabzeichen, dann aber 8 M für Metzger Koch - 8 M für Bäcker Kranz und 34,50 M für Gastwirt Traisbach ausgegeben. In diesem Jahr gab es dann keine Rücklage.

1899 wurde ein Kreiskriegerfest abgehalten- zum ersten Mal also Nennung einer Überorganisation. Die Massenheimer fuhren mit der 25 Mann mit den neuen Abzeichen bestückt zu a 70 Pfg. Fahrtkosten mit Bahn nach Höchst und bezahlten dort 20 Pfg. Eintritt.
In diesem Jahr zum ersten Mal Erwähnung des Beitrags (rückwirkend) zum „Deutschen- Kriegsgräberbund“.

1900 - 50 Mitglieder, bis 1905 keine großen Ereignisse, man besuchte Delegiertentagungen, verbuchte wieder einmal Einnahmen von einem Konzert usw. (Theaterstückchen von Lehrer Lind.
Lind
hier zum ersten Mal erwähnt) .

Auf diesen Konzerten und Theatervorführungen entstanden Kosten. Diese setzten sich wiederkehrend zusammen aus Kosten für 3 Komiker (24,00 M) welche auch verköstigt wurden 3,50 M, das Theaterstück wurde mit 1,80 M in Rechnung gestellt, die Musiker, wenn aus dem Ort, verursachten weniger Kosten, aber von auswärts waren 20- 30 M zu veranschlagen. In 1905 wurde auch zum ersten mal 3 Flaschen Sekt verrechnet. (Komiker noch in Kriegsjahre des 2. Weltkriegs beliebt bei Familienabenden u Co. Preis dann aber nachlassend).

Diese Veranstaltungen dienten auch der Kasse, denn die laufenden Kosten steigerten sich auf Grund der Unterstützungen für mehrere in der Zwischenzeit eingegangene Verpflichtungen.
So kassierten jetzt – Deutscher KriegerbundKriegerunterstützungskasse – Deutscher Flottenverein - Deutscher Kriegsgräber Bund und die Kreisvereinigung.

Ende 1905: 58 Mitglieder. Kassenbestand – Bar 23,99 M – Kapital (Privat) 225,00 M – und bei der Sparkasse 410,19 M = 659,19M.

Übergang neues Buch, neue Info - Rechenbuch für

Krieger u. Militärverein Germania Massenheim 1905.

Guter neuer Anfang mit neuen Mitglieder (jetzt 61). 2 neue Namen für Massenheim, Robert Noffz und Lehrer Nies. Nies ausgetauscht für Lehrer Frankenbach. Auch hier, bekanntes System. Die Vornamen entfallen, werden ersetzt durch Berufbezeichnung. So steht – Lehrer Nies.
Der Name Frankenbach blieb als L. Frankenbach erhalten, unter dem Namen wurden Kränze für Beerdigungen geliefert.
(L. Frankenbach war die Schwester von Lehrer Franken, welche in Bierstadt heute Hainerberg einen Blumen = Gärtnerei besaß).

Diese Namensanpassung an örtliche Gebrauchsmuster  geschieht auch bei jedem Bürger, das wird in dem neuen Rechenbuch noch mal deutlich. Da nun auch hier jeder Name in der Eintragung exakt aufgeführt ist,- werden hinter diesem Namen, um eben Verwechslungen auszuschließen, der Beruf genannt.
 
Beispiel: Wilhelm Philipp Noll steht im Buch, (mit Anhängsel Sattler).
In Massenheim nur unter dem Namen - de Sattler oder Nollesattler bekannt.

Wenn ein Auswärtiger z.B. nach einem Hr. Noll oder Wilhelm Noll fragte, konnte es lange dauern bis dann jemand aufmerkte - ach de Sattler!-  Dann war geklärt, wer gemeint war.
Schreiner Kranz-  für Heinrich Kranz.
Schauer (Fleischbeschauer) für  Wilh. Heinr. Kahl II usw.
Solche Kürzungen od. Klarstellungen konnten über Generationen stehen bleiben und in leichter Anpassung auf männliche wie weibliche Nachkommen Anwendung finden.
Auch Nachnamen aus weiblicher Linie oder vorhergegangener Linie wurden schon mal vor- oder nachgesetzt.

Zurück zu 1905. Man besuchte mit 28 Mann ein Fest in Diedenbergen und versuchte sich mit Losen an der Gesellschaftslotterie des Land-Kriegerbundes (bis in 39 nachvollziehbar gepflegt), sein Glück.

1908-09 sind einige Anmerkungen zum sonst gleichmäßigen Ablauf wert genannt zu werden. Mitgliederzahl steigend (Wehrdienstabgänge) Beitragsweiterleitung nach oben steigend, Monatsbeiträge werden wohl deshalb erhöht, Spenden nach irgendwo für Hochwassergeschädigte wird überwiesen, ein Ausflug nach St. Goar kostet 120 M und Gustaf Schwarzschild ist eingetreten (Wehrdienstabgang auch hier), der Name Ambauen wird auch hier schon falsch ausgedrückt.

Für Abzeichen wird immer wieder einmal Geld ausgegeben, doch im Jahr 1910 schlagen (kurz vor Krieg) Gewehre und Patronen zu Buche.
Gekauft wurden 12 Gewehre und 200 Patronen + nochmal 27 St. Patronen. Im späteren Verlauf ist von Platzpatronen die Rede, dürfte auch hier so gewesen sein.
Gewehre vermutlich 98er Karabiner, auch vielleicht für den Ehrensalut ein älteres Kaliber.
Ehrensalut gab es bei Beerdigungen und ? Sedansfest am Denkstein.
Bei Beerdigungen steht jedenfalls auch immer eine Rechnung von mindestens 12 Glas Bier im Kassenbuch.
Zwölf Gewehre, 12 Gläser Bier – passt irgendwie. Gewehre wurden von Bahnhof Flörsheim mit Spedition Ph. Müller angeliefert. Von den Uniformen, die sie damals sicher mit Stolz getragen haben, gibt es kein Vermerk, vermutlich war dies Eigenleistung. Dazu gehörende Schärfen (Schulterschleifen) werden aber vom Verein gestellt und sind über alle Zeiträume vermerkt.
Zur Ausstattung gehörten auch Mützen, mehr noch als Uniformen, sind aber nie vermerkt.
In diesem Jahr wurde auch der „Kriegerstein“ restauriert.
Eingefasst von K. Jung und neu vergoldet von L. Muncke. Das war wieder eine Feier wert mit 74 Ltr. Bier für 17,76 M.

Auch Biebrich (hier 1913) ist wiederkehrend ein Ziel. Dorthin startete man mit einem Fuhrwerk, dessen Fahrer mit 13 M entlohnt wurde. Die Anzahl der Teilnehmer ergibt sich aus der Zahl der Billet`s hier 27.
Ein Umzug muss stattgefunden haben, denn der Schilderjunge bekam ein Trinkgeld - 1 M.
In den nun Kriegsjahren ist der Eigenverbrauch von Bier nicht wesentlich eingeschränkt worden, aber es gab auch andere Prioritäten.
Der Mitbegründer Moses Schwarzschild und K. Jung sind gestorben, auch hier eine Sterberente von je 20 M.
Neben Ausgaben für Festbesuche in Eddersheim und Flörsheim wurde nun für Kriegsteilnehmer Päckchen versandt. Diese enthielten in Massenheimer Geschäften eingekauft Wurst, Zigarren, Zigaretten und Tabak. Aber ein wesentlicher Betrag von 200 M ging als „Kriegsspende“ an das Rote Kreuz.

Dann kommt eine weniger gute Zeit. Der Verein hält sich schlecht und recht über Wasser: Ein halbwegs ordentlicher Abschluss wird erst 1921 wieder gemacht. Es muss Geld von der Sparkasse geholt werden, um die laufenden Kosten zu decken.
Erst am 23.05.1925 konstituiert sich der Verein neu. Kassiert rückwirkend seine immerhin schon „72 Mann“.

Vermerkt ist dies von dem neuen Kassenführer Maxeiner am 20.03.25.

„Infolge der Inflation ist ein Abschluss des Kassenbuches nicht gemacht worden. Der bisherige Kassenführer Wilhelm Kranz hat den Rest des Vereinsgeldes und die Belege der Kasse zu den Akten gelegt. Der Verein hat sich wieder am 1.1.25 neu konstituiert.“  Ihr neuer Kassenführer E. Maxeiner (= Lehrer Maxeiner).

Es gibt noch 5 Veteranen. Philipp Kern – Wilhelm Weigel – Christopf Becker – August Traisbach – Georg Renneißen.

Es muss eine groß angelegte Werbung vorher gegangen sein, denn Start mit 122 Kameraden, darunter der Jüdische Bürger Friedrich Lang. (Samuel wird seit der Gründung nicht mehr genannt).
Im Kassenbericht ist nachzuziehen, dass vor der Gründung im Mai ein großer Ball im April wohl für viel Zustimmung sorgte.

Dieser Ball wiederum, kann man auch nachvollziehen, war der Abschluss der Gestaltung des jetzigen Ehrenfriedhofs an der Kirche im Frühjahr des Jahres.
Auslagen entstanden dem Verein für die Grüngestaltung von der Bitte um Pflanzen über Fracht derselben und Kleinarbeiten, welche auch Zement von Fa. Graulich (Flörsh.) einschloss.
Die Höhe, der vom Vorsitzenden gemachten finanziellen Vorlage, lässt vermuten, dass auch die Namensgedenksteine und das Hauptdenkmal größtenteils vom Verein finanziert wurden. Der Verein hat einige Jahre daran abgezahlt.

Zur Einweihungsfeier.
An Aufwand und Rechnung kann man ersehen, dass die Feier auf Freigelände stattfand, denn es wurden mit Vereinbarung des Försters Stangen geschlagen. Stangen, welche man zum Erstellen des Zeltgerüstes brauchte. Zeltplanen wurden in Vermittlung des unten genannten Futtermittelhändlers von Fa. Luft aus Mainz geliehen. Vorsitzender und Vorfinanziator Hr. Wilhelm Kahl II (Fleischbeschauer) und Betreiber eines Futtermittelgeschäft in der Nähe des Ehrenfriedhofs.

1926: neue Mitglieder, als Nr. 120 aufgeführt Lehrer Henn Neugasse.
In der Ausgabenseite ist die Richtung zu erkennen. Hindenburgs Geburtstag wurde mit Bier gefeiert und eine Hindenburgspende wird geleistet. Neues Vereinslokal im Wechsel nun auch „Gasthaus zur Rose“. Vereinabzeichen welche an die Mitglieder verkauft wurden dürften hier schon den Stahlhelm getragen haben. Denn viele Abbildungen ab hier belegen die Sympathie zu dieser Vereinigung. Die Linde vor Kirche nannte man ab hier die „Hindenburglinde“ während die am Ostausgang etwas später gepflanzte die „Hitlerlinde“ genannt wurde (s. Bild).

Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten. Verstand sich als Organisation, in welcher das Wirken aller Kriegsteilnehmer Anerkennung finden sollte und stand in Opposition zur Weimarer Republik. Gesponsert sicher auch von Mitgliedsbeiträgen der Kriegervereine, aber Schwerpunkt in Pommern oder allgemein aus dem ostelbigen Raum. Hoffnung für alle Kaisertreuen gegen den „Sozialismus“. Im „Landsturm“ paramilitärisch organisiert. Der NSDAP war der Stahlhelm nicht geheuer und es gab früh Versuche, ihn in die NSDAP einzubinden. Um einer Auflösung zu entgehen, trat die Mehrheit freiwillig als einheitlicher Wehrverband 1933 in NSDAP ein. Auf den Rest machten die Machthaben Druck und so wird sich der Stahlhelm vielleicht mit einiger Verzögerung auch in Massenheim aufgelöst haben.


Da mit Hindenburg sympathisierend dürfte in Massenheim eine weniger harte Linie vorgeherrscht haben. Denn der Stahlhelm schloss jüdische Mitglieder aus, was hier erst 1933 sicher auf Druck von oben kam. Vermerkt ist der Austritt von Friedrich Lang und Gustav Schwarzschild im Jahr 1933. Aber auch andere Bürger haben sich aus dem Verein ausgeklinkt, in den Jahren 31 - 33.
Umstellung auch im Fuhrdienst - Sally Blumenthal, wurde durch Erich Schulz ersetzt.

Anfang der 30iger - Verein dann mehr in Ruhestellung. Beerdigungen verbuchen Musikkosten zwischen 25 u. 27 M. Familienabend und Preisschießen sorgen für Abwechslungen im Jahresablauf. Termine werden durch Bekanntmachungen durch Ausrufer im Dorf mit erledigt (Ph. Bär). Dafür wird auch mal eine Mark fällig. Bücherei aus Essen versorgt die Mannschaft mit Informationen in Form von gedrucktem, der Titel „Deutschland und Europa“ wird genannt.

1934  Ausrichtung auf – Deutscher Reichskriegerbund Kyffhäuser,-  verursacht Kauf einer Fahne + Fahnenstange samt Zubehör. Die ersten 40 Hakenkreuzbinden werden gekauft, weitere 35 Armbinden und Silberschären verursachen zusammen mit den Beiträgen zum Kyffhäuser Kosten von 280 Mark.

1934  60jährige Gründungsfeier beschert Ein- und Ausgaben und neue Ehrenmitglieder (40 Jahre Mitglied = Ehrenmitglied). Noch am Leben ein Veteran – Georg Renneisen.





Aktive vom Stahlhelm kurz vor Umgestaltung

                                           
  Aktive Stahlhelm zur Zeit der Umgestaltung


1935  Neue Gewehre in Raten, diesmal doch den modernen 98er Karabiner?. Meine Vermutung, dass die alten Gewehre im Rahmen der Auflösung des Stahlhelms eingezogen worden sind. Kyffhäuserabzeichen und Kyffhäuserzeitung. Auch ein Ausflug mit „Kraftpost“ welcher auch Kosten für die Verpflegung der Kraftfahrer verursachte und dies gleich für drei. Es muss ein Ziel mit Kyffhäuser gewesen sein, denn alles dreht sich im Umfeld um Kyffhäuser. Auch gab es wieder Wein. Massenheim ist zu entnehmen, anscheinend war die Reblaus ausgetrickst. Gleich 25 Liter waren am Start, von Resten ist keine Rede. In diesem Jahr ist der Kauf von – Kriegsbücher vermerkt, welche in Raten abbezahlt werden. Der „Kurpfälzer Kamerad“ wird gelesen, Kurpfälzer wie Kriegsbücher scheint Relikt vom Ausflug! Futterale und Riemen für 8 Gewehre und Franz Krissel (Krissels Fronz) pflegt den Ehrenfriedhof und gestaltet dort, wie immer auf Vereinskosten.

1936  Lehrer Lind verzogen, steht zu lesen. Gewehr verursacht Reparaturkosten. Für einige Aktiven (25) werden Haft- u. Unfallversicherungen eingezahlt, das Gewehr, es ist wirklich wie ich vermutete der Karabiner Mod. 98, denn für dieses wurden in Mainz beim Bassing Patronen gekauft.

         Etwas militärisch ging es schon zu in dieser Zeit, denn Kriegsbücher, Gewehre - Zielscheiben und Patronen und immer wieder Ausstattung der Fahnenträger und Mitglieder mit Brustschilder, Abzeichen und Armbinder deuten darauf hin. Ausgaben an Kriegswaisenhaus mit 2 Mark zeigen einen Stellenwert, Kriegsgräberfürsorge wird nicht höher bedacht.
Abgaben nun an Kreisverwaltungsführer, Kyffhäuser u. Co. verschlingen einen großen Teil der Einnahmen, welche ja in der Hauptsache von den Mitgliedern und Familienabenden und Schießsportveranstaltungen aufgebracht werden.
Schützengruppe besteht ja auch und wird dem Gefahrenpotential nach versichert.
Mitgliedsstand durch einige Austritte, welche man als Massenheimer bei persönlicher Kenntnis nachvollziehen kann, haben den Verein auf 74 Mitglieder schrumpfen lassen.

1939  Einige Eintritte, einige Todesfälle, Mitglieder die zum Wehrdienst gezogen werden, sind beitragsfrei. Zu erwähnen, ein Mitglied, dass als Heeressiedler nach Massenheim kam und sofort Ehrenmitglied laut seiner langen Zugehörigkeit in seinem Geburtsort wurde - Johann Lempp. Ebenfalls Friedrich Jungbluth, auch er war in seinem Heimatort seit 1925 Mitglied.
Lehrer Lind wurde im Juli 39 beerdigt, auch hier das übliche, Sterbegeld 20 RM und 12 Glas Bier. Der letzte Veteran aus 70 - 71 Georg Renneisen starb im Mai.
10 Kameraden zogen in den Krieg. Für diese wurden wie im 1. Krieg mit abnehmender Tendenz Päckchen versandt. Inhalt Tabak und Zigaretten wie in alter Zeit wo man verhältnismäßig gemütlich im Schützengraben seine Pfeife schmauchen konnte.

1940  Dann noch normaler Ablauf des Jahres. Päckchen für Kriegskameraden werden dank Metzger Wahlemeier zusätzlich mit Dauer oder Mettwürsten bestückt. Aber auch Tabak wird im Auftrag des Vereins von „Karl Diefenbach“ verpackt und versandt.

1941  Acht Neueintritte. Neu bei Beerdigung ist die Berechnung für Salutmunition, wie bei W. Hartmann. Ausgaben für Verbände immer noch viel höher als die Kosten für Päckchen an die Kameraden. Aber womöglich war die Not auch noch nicht groß.

1942  Ist neu, dass man Gewehre für den Salut leihen musste, denn es ist außer den Platzpatronen eine Leihgebühr bezahlt worden. Womöglich waren die Waffen bei der Auflösung des Stahlhelms konfisziert worden und neuen defekt, leider nirgends vermerkt.

1943  100 Kugeln und 500 Schießscheiben, sonst das übliche, warten auf           Kriegsende?

1944  Nochmal Einnahmen von Mitgliederbeiträgen von je 2 Monaten, bei Jubiläen wurde jetzt mit 2 Flaschen Wein gratuliert. Ergebnis gesamt   99,42 RM ein – 65,96 RM aus – bar 33,46 RM – Kasse 241,99 RM Vermögen gleich 275,45 RM.

1945  Alle Mitglieder pflichtgemäß eingetragen. 72 Mann und 15 Ehrenmitglieder. Keine Einträge mehr. Zeilen für ein und aus bleiben leer.


Zu Kyffhäuserbund in WIKIPEDIA zu lesen.

Der Kyffhäuserbund ging im Jahr 1900 aus dem "Ständigen Ausschuss der vereinten deutschen Kriegerverbände für die Verwaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser" hervor und wurde als Dachverband deutscher Kriegervereine gegründet.
Bereits 1786 wurde durch ehemalige Füsiliere ein Kriegerbund gegründet. Ursprünglicher Zweck der Kriegervereine war es, ihren verstorbenen Mitgliedern und ehemaligen Soldaten ein ehrenvolles Grabgeleit zu geben…..
Auch hier wie bei Stahlhelm gaben Probleme mit dem – erstarkendem Sozialismus den Ton an. Da eigentlich schon irgendwo immer Dachverband der Kriegervereine, viel es den Massenheimern nicht schwer zum Kyffhäuserbund 1934 zu wechseln, bez. als Dach anzunehmen.


 

Kleine Umrechnung von Werten (Bierwährung) zum Schluss.

1 Bier  u. Apfelwein 1870       0,10           Mitgliedsbeitr. 1,20 = das  12fache

Heute 1 Bier                        2,70           Mitgliedsbeitrag  x 12 = 32,00 € ?

Oder 1938                           0,15           6,00 RM  =  40 Apfelwein

 

Wäre  heute 40 x 1,50 €  =  60 € Jahresbeitrag. Also für damalige Zeit hoher Jahresbeitrag für ein Verein.


Hier einige Bilder über das was man (Mann) so trug und wie es  -  da und dort zeitbedingt aussah.